„Ja, wir essen unsere Tiere auch!“ - Schlachtung als Teil des ganzheitlichen Tierwohls
Immer wieder blicken wir bei Gesprächen mit KundInnen und InteressentInnen in fast erschütterte Gesichter, wenn sie erfahren, dass wir unsere Tiere natürlich auch essen. Dafür gibt es aber sehr gute Gründe, welche mitunter durchaus zur Förderung des Tierwohls unumgänglich sind. Selbst mit dem Wissen, dass unsere Tiere ein erfülltes und zufriedenes Dasein haben, schlachten auch wir nicht gerne und jeder Abgang ist mit vielen Emotionen verbunden. Rein das Wohl der betroffenen Tiere und jener die verbleiben, sowie hin und wieder ein Blick in große Schlachtbetriebe und Tierställe ermöglichen es uns im Endeffekt, uns von unseren Tieren zu trennen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Am Beispiel der Legehenne gibt es für uns zwei große Aspekte, die eine Schlachtung vertretbar machen:
1. Bevor die Legehenne eine solche wird, ist sie zuerst ein Ei und dann ein Küken. Die Geschlechteraufteilung liegt bei etwa 50%, das heißt zumindest die Hälfte der Jungtiere wird niemals ein Ei legen. Wir brüten unseren Nachwuchs selbst aus, daher trifft uns diese „Problematik“ direkt. Während viele, vor allem große Legehennenbetriebe, die Angelegenheit mit den „überschüssigen“ Hähnen auslagern und überhaupt nur weibliche Tiere in den Betrieb zukaufen, ist es uns ein Anliegen selbst zu züchten und für die Hähne eine würdevolle Lösung zu verfolgen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass männliche Küken in Österreich nicht mehr direkt nach der Geburt geschreddert werden dürfen. Trotzdem wird nur ein sehr kleiner Teil der Hähne einige Wochen alt, um später mit wenig Erfolg als „Fleischhuhn“ zu enden, da Hochleistungslegerassen schlichtweg nicht dafür gezüchtet sind, mehr Fleisch als unbedingt notwendig anzusetzen. Letzterer Umstand fällt bei den von uns eingesetzten alten Zweinutzungsrassen weg ... natürlich auf Kosten der Legeleistung, aber zum Wohle der Tiere. Wer schon einmal eine ausgediente Legehenne nach 12 Monaten, welche wortwörtlich so gut wie nur noch aus Haut und Knochen besteht, gesehen hat, weiß wovon hier die Rede ist.
Ein Großteil der jungen Legehennen kommt aber nach wie vor aus dem Ausland, vorrangig aus Ländern wo das Schreddern der männlichen Jungtiere immer noch zum Business der Großproduzenten dazu gehört.
Bei uns wachsen die Hähne ganz natürlich mit den anderen Tieren gemeinsam auf. Sie fressen viel, gewinnen nur sehr langsam Gewicht und legen nie ein Ei. Irgendwann passiert bei zu vielen Hähnen jedoch Folgendes: Sie starten mit dem Machtkampf. Wer ist der stärkste Hahn? Dabei verletzen Sie sich oft stark und bringen enormen Stress in die gesamte Schar. Ein „Zuviel“ an Hähnen setzt auch den Damen ordentlich zu, da jeder sein Erbgut weitergeben möchte, wodurch die Hennen übermäßig „beglückt“ werden. Dies erkennt man spätestens wenn die Federn auf den Schultern der Hennen und am Kopf weniger werden und es zu ersten offenen Verletzungen kommt.
Was ist nun insgesamt für die Tiere am besten? Unserer Meinung nach müssen die Hähne rechtzeitig weichen, bevor es für die Gesamtheit der Tiere zu Einbußen in Hinblick auf das Tierwohl kommt. Darum gibt es bei uns Grillhähnchen und Backhend’l, ganz und gar ohne schlechtem Gewissen.
2. Auch die Lebenszeit eines Huhns ist auf natürliche Weise begrenzt. Anders als in der gängigen Praxis wo die Tiere vielleicht 12 Monate (wenn überhaupt) „nützlich“ sind, werden Hühner an und für sich schon mehrere Jahre alt, auch wenn das bedeutet, dass sie nach und nach immer weniger Eier legen. Wirtschaftlich steigen somit die Futterkosten während der „Output“ sinkt. Ein einzelnes Ei müsste also deutlich teurer werden. Die rentabelste Lösung: Das Tier an jenem Punkt wortwörtlich zu entsorgen, bei dem die Kosten den Nutzen überschreiten. In der Praxis ist dies oft nach der ersten Legeperiode der Fall.
Wir gehen mit diesem Aspekt wie folgt um: Unsere Hühner werden älter, im Schnitt 3 Jahre. Sie haben es sich verdient, auch nach der produktivsten Zeit noch ein erfülltes Leben zu haben, beschenkten sie uns neben ihren Eiern doch auch tagtäglich mit sehr viel Freude. Trotzdem enden auch unsere Alttiere irgendwann meistens im Suppentopf, jedoch nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen. Wenn man an die Ernährung der Weltbevölkerung denkt, könnte man eigentlich argumentieren, dass es doch eine reine Ressourcenverschwendung wäre, jeweils gut 2KG Nahrung so lange herumspazieren zu lassen, bis sie tot umfällt und dann über die Tierkadaverentsorgung beseitigt werden muss. Das ist die eine Seite, und vorweg: ältere Suppenhühner, sofern sie gesund waren, stehen einem jüngeren Tier um nichts nach, ganz im Gegenteil: für eine kräftige Hühnersuppe ist es sogar von Vorteil, wenn das Tier älter werden und somit mehr Fett ansetzen kann.
Neben diesem Aspekt, welcher das Szenario in unserem Sinne einer Kreislaufwirtschaft letzten Endes schließt, gibt es jedoch noch ein sehr starkes Argument für die Verwertung als Suppenhuhn aus unserer Sicht. Ja, Hühner können einige Jahre alt werden, das stimmt. Aber wie auch wir altern sie und werden anfälliger für Verletzungen oder Krankheiten. Neben den jüngsten Tieren werden deshalb genau jene Tiere, sofern kein Schutz durch den Halter geboten wird, in der Natur als erstes die Beute von Fuchs, Habicht und Co. In unserem Fall und im Hinblick auf die Gesundheit der restlichen Schar relevanter ist jedoch die höhere Anfälligkeit für Krankheiten, Parasiten oder anderer Probleme. Wer lange genug Hühner hält und beobachtet, der erkennt außerdem die Anzeichen einer Henne, welche die Blüte ihres Lebens hinter sich hat und eigentlich nur noch dahin fristet: Die Gelenke werden starrer, das Huhn langsamer. Die Neugierde nimmt ab, selbst das so beliebte Scharren im Erdreich wird weniger. Im Ganzen wird das Tier immer ruhiger, während die nächste Generation sich schon darum bemüht, in der Hackordnung ganz nach oben zu kommen. Wir halten dies stets für einen guten Zeitpunkt, um unsere Tiere würdevoll und friedlich entschwinden zu lassen. Und tatsächlich: Sie leisten an jenem Punkt auch lange keinen Widerstand mehr, wenn man Sie einfangen möchte. Manchmal entsteht fast der Eindruck, sie wissen genau, dass ihre Zeit vorüber ist und es scheint als ob sie sich seelenruhig nach einem erfüllten Leben einfach in den mehr oder weniger natürlichen Kreislauf eingliedern.